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Wertberichtigung von Forderungen

Großzügige Investitionen auf der einen Seite, ausbleibende Zahlungseingänge auf der anderen: Dies zu vermeiden und die Liquidität zu sichern, ist eine der Aufgaben des Controllings.

Das Liquiditätsrisiko ist alles andere als bloße Theorie. Unternehmen warten im Schnitt rund sechs Wochen auf ihr Geld, berichtet die R+V Versicherung (https://www.ruv.de/ratgeber/unternehmen/unternehmerrisiko-forderungsausfall). Sie beruft sich dabei auf eine Untersuchung der Creditreform (https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/schwaechen-bei-der-zahlung). Danach lässt der der Zahlungseingang für erbrachte Lieferungen und Leistungen 42 Tage auf sich warten. Der Zeitraum setzt sich zusammen aus der Vergabe eines Zahlungsziels und dem zusätzlichen Zahlungsverzug. Der Bericht weist außerdem darauf hin, dass die Zahlungsmoral oder die Zahlungsfähigkeit weiter gesunken ist.

LIQUIDITÄTSMANAGEMENT ZWISCHEN WIRTSCHAFTLICHKEIT UND ZEITDRUCK

Ein Zahlungsausfall mindert den Gewinn und ist deshalb unmittelbar kritisch für Unternehmen. Doch bereits die Phase des Wartens und Mahnens erzeugt Nachteile und Kosten­: Die Liquidität sinkt und für manches Unternehmen entstehen Kosten­ für eine Zwischenfinanzierung durch Überbrückungskredite.

Niemand kann daran Gefallen finden: Dem Management fehlt die stabile Basis für Entscheidungen. Aktionäre und andere Geldgeber fürchten den Gewinnausfall. Und auch Sie als Verantwortlicher für Finanzen/Controlling können zwischen die Stühle geraten: Forderungen einzeln zu untersuchen und sie abzuwerten ist eine Maßnahme, drohenden Liquiditätsengpässen zu begegnen. Doch wie viel Aufwand wollen Sie treiben? Was ist noch wirtschaftlich?

SIGNALE FÜR ZAHLUNGSSCHWIERIGKEITEN IHRES KUNDEN

Kunden in Zahlungsengpässen senden eine Reihe von Signalen aus. Es gilt, diese ernst zu nehmen und darauf zu reagieren. Folgende Anzeichen deuten auf Zahlungsschwierigkeiten Ihres Kunden hin:

Ihr Kunde ändert sein Verhalten: Bisher hat er immer pünktlich gezahlt. Jetzt nutzt er die Zahlungsziele vollständig aus und verzichtet auf Skontoabzug. Sie müssen ihn zur Zahlung auffordern.

Seine offenen Rech­nungen zahlt Ihr Kunde nur teilweise. Zugleich vergibt er neue Aufträge.

  • Ihr Kunde verlangt nicht nachvollziehbare Nachbesserungen an Ihren Lieferungen und Leistungen, um die Fälligkeit Ihrer Forderung hinauszuschieben.
  • Ihre Ansprechpartner sind schwer zu erreichen. Sie melden sich auf Anfrage nicht zurück.
  • Nach außen überrascht der Kunde mit kaum zu erklärenden Veränderungen: Er senkt seine Preise für Lieferungen und Leistungen, und zwar drastisch. Er ändert seinen Namen. Plötzlich gibt es eine neue Bankverbindung. Die Geschäftsführung wird ausgewechselt.
  • Sie hören von Stundungs- und Vergleichsvorschlägen Ihres Kunden. Wettbewerber beliefern Ihren Kunden nur noch gegen Vorkasse.
  • Sie prüfen die Bonität Ihres Kunden und Ihr Verdacht bestätigt sich: Die Bonität Ihres Kunden sinkt.

Viele Unternehmen geraten in die Schieflage, weil sie dem Augenschein misstrauen. Zu lange schenken sie den Ausreden der Schuldner Glauben und tragen am Ende selbst den Schaden.

FORDERUNGSABSCHREIBUNG NACH HANDELSRECHT UND STEUERRECHT

Auch der Gesetzgeber kennt das Problem. Deshalb hat er das Niederstwertprinzip als Schutz verankert. Zum Bilanzstichtag müssen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen nach der Bonität der Schuldner bewertet und notfalls abgewertet werden.

Das HGB teilt die Bonität von Forderungen so ein:

Einwandfreie Forderungen

Der Schuldner kann und will zahlen. Ein Zahlungsausfall ist nicht zu erwarten.
Die Bewertung der Forderungen erfolgt zum “niedrigsten beizulegenden Wert”. Die ergänzende Pauschalwertberichtigung erfasst das statistisch existierende Ausfallrisiko eines Unternehmens, um noch nicht klar bezifferbare, jedoch aus der Erfahrung wahrscheinliche Forderungsausfälle zu berücksichtigen.

Zweifelhafte Forderungen

Der Zahlungseingang erscheint unsicher. Das Verhalten des Schuldners lässt dies vermuten.
Das HGB verlangt eine Bewertung nach dem “niedrigsten beizulegenden Wert”, ergänzt um eine Einzelwertberichtigung. Ziel ist, den wahrscheinlichen Wert anzusetzen. Bemessungsgrundlage ist der Nettobetrag ohne Umsatzsteuer. Buchungstechnisch ist eine direkte oder indirekte Abschreibung möglich.

Uneinbringliche Forderungen

Der Forderungsausfall ist zum Bilanzstichtag sicher, etwa weil der Schuldner eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Die Forderung wird vollständig abgeschrieben und mit 0 Euro bewertet.

Das EStG hingegen verlangt:

  • Forderungen werden zum Nennwert angesetzt.
  • Eine Abschreibung zweifelhafter Forderungen auf einen niedrigeren Teilwert ist nur bei einer dauerhaften Wertminderung und bei “besonderen Verhältnissen” des Schuldners möglich. Endgültig uneinbringliche Forderungen werden vollständig abgeschrieben.
  • Eine Pauschalwertberichtigung ist auch steuerrechtlich möglich. In der Praxis schreiben die Unternehmen 1 Prozent ab. Der Prozentsatz entspricht der Nichtaufgriffsgrenze, die der BMF 1995 veröffentlicht hat. Ein Rechtsanspruch existiert nicht.

BETRIEBSPRÜFUNG: SORGEN SIE FÜR EINE NACHVOLLZIEHBARE UND VOLLSTÄNDIGE DOKUMENTATION!

Die Abschreibung zweifelhafter Forderungen erfolgt auf Basis einer Einschätzung und ist deshalb zwangsläufig mit Unsicherheit behaftet. Aufgrund dessen erfolgt die Bewertung nach Niederstwertprinzip und den Grundlagen „kaufmännischer Vorsicht. Sowohl für die Kosten­rech­nung als auch für die Betriebsprüfung sind deshalb Nachvollziehbarkeit und eine hohe Transparenz unabdingbar.

Die Apps von CKL unterstützen Microsoft Dynamics 365 Business Central Anwender bei der lückenlosen Dokumentation, machen Sie auskunftsfähig und sorgen für eine hohe Transparenz. Besuchen Sie eines unserer Webinare wie etwa „Kosten­rech­nung 365 – Basis“ oder „Bewertung 365“ und verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck.

Quellen

16 Anzeichen einer Insolvenz: So erkennen Sie Kunden in finanzieller Bedrängnis

https://www.wirtschaftswissen.de/finanzen-steuern/rech­nungsstellung/rech­nungen-mahnungen/16-anzeichen-einer-insolvenz-so-erkennen-sie-kunden-in-finanzieller-bedraengnis/

Einzel- und Pauschalwertberichtigungen zu Forderungen, nwb Verlag, https://www.nwb.de/de-de/articles/fachbeitraege/wertberichtigungen

Forderungscontrolling: Das Risiko von Zahlungsausfällen minimieren, Haufe, https://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/forderungscontrolling-das-risiko-von-zahlungsausfaellen-minimieren_idesk_PI11525_HI847051.html

Forderungsmanagement: Praktische Tipps für die Umsetzung … / 7 Wertberichtigung einer Forderung: Umbuchung der gefährdeten Forderung, Haufe, https://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/forderungsmanagement-praktische-tipps-fuer-die-umsetzung-7-wertberichtigung-einer-forderung-umbuchung-der-gefaehrdeten-forderung_idesk_PI11525_HI2522935.html

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